Warum Loslassen eine Zukunftskompetenz ist.
Gewohnheiten sind wir oft relativ treu – so reagieren wir in ähnlichen Situationen immer gleich (obwohl wir besseres auf Lager hätten), halten an Routinen fest (obwohl sie uns eher bremsen als helfen) oder erzählen immer wieder „Das kann ich nicht.“, „So bin ich eben.“ und gerne auch „Das hat doch bisher auch so funktioniert.“
Dabei sollten wir uns bei gewohnten Reaktions- und Verhaltensweisen viel häufiger fragen „Funktioniert das denn überhaupt noch?!“ Denn die Welt verändert sich, so dass das Festhalten an alten Verhaltensmustern meistens nicht nur wenig bringt, sondern uns sogar bremst.
Also ist Veränderungsfähigkeit angesagt – und die beginnt oft damit, etwas Altes abzulegen und alte Verhaltensweisen ganz einfach nicht mehr zu tun.
Warum wir trotzdem so hartnäckig an alten Mustern festhalten.
Alte Muster und Gewohnheiten haben psychologisch einen großen Vorteil: Sie sparen uns Energie. Denn unser Gehirn automatisiert wiederkehrendes Verhalten – was wir häufig genug denken oder tun, braucht irgendwann weniger bewusste Aufmerksamkeit. Wie praktisch.
Problematisch wird dieser praktische Mechanismus allerdings, wenn wir nicht nur sinnvolle Abläufe (so wie unsere Zahnhygiene, den Weg zur Arbeit oder unser Sportprogramm) automatisieren, sondern auch Verhaltensweisen, die längst nicht mehr passen – weil sich die Welt, in der wir leben, eben geändert hat.
Wenn dann aus Routine nur noch Starrheit wird, vermeiden wir bspw. Neues, weil wir irgendwann gelernt haben, dass sich Sicherheit besser anfühlt als Neues und Neugier. Wir lehnen Chancen vorschnell ab, weil wir uns für „nicht den Typ dafür“ halten. Oder wir arbeiten nach Methoden, die vielleicht noch vor drei Jahren erfolgreich waren – wundern uns aber dann, warum sie heute nicht mehr so richtig funktionieren.
Welche alten Muster uns besonders bremsen.
Nicht jede Gewohnheit muss unbedingt aus unserem Leben verschwinden. Routinen geben uns schließlich Struktur, Stabilität und Sicherheit, sie reduzieren die Komplexität in unserem Alltag.
Um aber alte, überholte Muster zu erkennen, sollten wir uns regelmäßig fragen, welche unserer alten Verhaltensmuster denn vielleicht nicht mehr nützlich oder hilfreich sind.
Dazu gehören bspw. alte (und bremsende) Glaubenssätze wie „Ich muss mir erst vollkommen sicher sein, bevor ich mit X beginne“, „Fehler darf ich mir einfach nicht erlauben“ oder auch „Dafür bin ich inzwischen zu alt (oder: noch zu jung)“. Genauso wie Routinen, die nur noch aus Gewohnheit bestehen („Morgens alleine joggen? Mache ich eigentlich nur noch aus Gewohnheit, obwohl mir ein abendliches Workout mit Bekannten viel besser täte.“), Verhaltensweisen, mit denen wir jede Art von Veränderung geradezu reflexhaft abwehren („Ich bleibe erstmal beim alten PC-Programm, hat bisher ja wunderbar funktioniert.“) oder auch Rollenbilder, in denen wir uns selbst korsettiert haben („Ich bin doch nur ein kleines Rad in unserem Unternehmen und kann nichts bewirken.“).
Warum Loslassen in Zukunft wichtiger wird.
Wir erleben Veränderung heute in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen gleichzeitig: Technologien verändern unsere Tätigkeiten, Berufsbilder entwickeln sich rasant weiter (und weiter), unser Wissen veraltet schneller und selbst unsere Lebensentwürfe werden weniger linear.
Wer konstruktiv damit umgehen möchte, braucht deshalb psychologische Beweglichkeit – regelmäßig zu überprüfen anhand der Frage „Was von meinen alten Routinen und Ritualen, Gewohnheiten und Glaubenssätzen hilft mir eigentlich noch – und woran halte ich lediglich fest, nur weil ich es gewohnt bin?“
Die Chance des Loslassens liegt nämlich im Platz schaffen. Wir schaffen so mentalen und praktischen Platz für andere Möglichkeiten, für Neues und vor allem: für Weiterentwicklung.
Wie du alte Muster durchbrichst.
1. Mache einen Muster-Check.
Frage dich bei all deinen Routinen und typischen Reaktionen „Hilft mir das jetzt und hier wirklich noch?!“
2. Suche nach deinem „So bin eben ich …“.
Prüfe, ob du mit diesem Satz tatsächlich eine stabile Eigenschaft deiner Persönlichkeitsstruktur beschreibst oder nur ein oft von dir wiederholtes Verhalten – denn Verhalten lässt sich verändern, Eigenschaften eher weniger. Ein „Ich bin nicht gut in Veränderungen“ kann bspw. auch heißen „Ich habe Veränderungen bisher häufig vermieden.“
3. Identifiziere deine automatische NEINs.
Achte darauf, wo du Neues quasi reflexartig ablehnst – und frage dich dann „Was genau spricht denn eigentlich dagegen (gegen die neue Arbeitsweise, die neue Teamzusammensetzung, das neue Organigramm, …) – und was davon ist eine Tatsache, was nur Gewohnheit und was sogar eine Befürchtung von mir?!“
4. Ersetze statt abzuschaffen.
Das Loslassen einer liebgewonnenen Gewohnheit hinterlässt immer auch eine Lücke. Wenn du lediglich beschließt, etwas „nicht mehr“ zu tun, fällst du daher leichter in alte, gewohnte Verhaltensmuster zurück. Definiere deshalb besser auch ein neues, alternatives Verhalten, bspw. nicht nur „Ich will weniger grübeln“, sondern „Ich will mich in Zukunft stattdessen nach spätestens 30 Minuten entscheiden“. Du solltest dir bspw. auch nicht nur vornehmen weniger perfektionistisch zu sein, sondern vorher festlegen, wann gut wirklich gut genug für dich ist.
5. Experimentiere im Kleinen.
Du musst nicht gleich dein gesamtes Leben auf den Kopf stellen. Neue Verhaltensweises kannst du auch erst einmal für wenige Wochen testen – in denen du bspw. eine Aufgabe anders in Angriff nimmst, ein neues Tool lernst oder eine einzige Routine änderst. Solche kleinen und überschaubaren Experimente reduzieren das von dir dabei wahrgenommene Risiko und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass du wirklich etwas veränderst.
6. Sammle „Gegenbeweise“ für alte Glaubenssätze.
Wenn du denkst „Ich kann das nicht“, suchst du (unbewusst) häufig nach Bestätigung. Drehe daher die Perspektive einfach mal um – mit einem „Wann habe ich etwas Ähnliches bereits erfolgreich geschafft? Was konnte ich vor zwei Jahren noch nicht, was aber heute selbstverständlich für mich ist?“ So werden deine Erfolge und Entwicklung sichtbar.
HACK. Die 3A-Regel für alte Muster.
Wenn du merkst, dass wieder mal ein altes Muster bei dir anspringt, nutze diese drei Schritte:
ANHALTEN. Was tue oder denke ich gerade automatisch?
ABKLOPFEN. Hilft mir dieses Verhaltensmuster hier und jetzt?
AUSTAUSCHEN. Was wäre jetzt eine passende(re) Reaktion?
Klingt vielleicht banal, ist aber wirklich wirksam – muss nur auch gemacht und wiederholtwerden.

FAZIT. Mein Impuls für dich.
Wir sollten uns erlauben, nicht für immer „der (oder die) Alte“ bleiben zu müssen. Denn unsere alten Routinen und Rituale haben zwar häufig einmal einen Zweck erfüllt – trotzdem sollten wir uns regelmäßig von ihnen verabschieden.
Wenn wie diese Entscheidung selbst treffen, erleben wir Wandel weniger als etwas, das mit uns geschieht – und stärker als etwas, das wir aktiv gestalten können.
Kurz, knapp & klar: Nicht alles, was uns vertraut ist, hat auch eine Zukunft. Manches muss gehen, damit wir weiterkommen.
