Auf eines kann man sich verlassen: Veränderungen kommen leider selten genau dann, wenn es uns gerade passt. Begeisterung ist da verständlicherweise nicht immer unsere allererste Reaktion.
Viele von uns betrachten Veränderung und Wandel deshalb vor allem als eins: als ein Problem, das möglichst schnell gelöst und abgehakt werden muss. Doch manche Veränderungen lassen sich weder rückgängig machen noch einfach so schnell mal abhaken.
Dann kann ein anderer Blick uns helfen Veränderung eben nicht mehr als Problem zu sehen, dem wir ausgeliefert zu sein scheinen: „Was kann ich in dieser neuen Situation beeinflussen oder vielleicht auch selbst mitgestalten? Und was kann ich dabei vielleicht sogar lernen?!“
Ein solcher Perspektivenwechsel macht bei Veränderungen die Umstände nicht automatisch besser für uns. Aber er kann uns helfen, weniger Energie in gedanklichen Widerstand zu stecken (bzw. dabei Energie zu verlieren) und wieder konkrete Einfluss- und Handlungsmöglichkeiten für uns zu erkennen.
Warum unser Blick auf Veränderung einen Unterschied macht.
Wenn Gewohntes wegfällt, fehlt uns häufig auch ein Stück Vorhersagbarkeit und Sicherheit. Und diese Unsicherheit kann dann schnell wie eine Art von Vorzeichen wirken, dass ganz sicher etwas schiefgehen wird.
Dabei beeinflusst die Art, wie wir neue Situationen bewerten, unseren Umgang damit: Wer vor allem drohende Verluste sieht, beschäftigt sich eher mit Absicherung und Vermeidung. Wer aber zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten im Wandel sieht, kann während Veränderungsprozessen eher selbst(bestimmt) etwas ausprobieren, zielführende Fragen stellen oder Unterstützung suchen, um mit der neuen Situation besser umgehen zu können.
Ein Beispiel: Dein Team erhält neue Aufgaben, die Zuständigkeiten sind jedoch noch unklar. Ein „Jetzt funktioniert hier gar nichts mehr“ als Reaktion darauf beschreibt zwar deinen Ärger, hilft aber wenig bei den nächsten anstehenden Entscheidungen. Ein „Was müssen wir zuerst klären, damit wir jetzt arbeiten können?“ lenkt deine Aufmerksamkeit auf einen bearbeitbaren Teil der neuen Herausforderung.
Warum jeder Wandel (d)ein Trainingsfeld sein kann.
Veränderungsphasen verlangen häufig Fähigkeiten von uns, die uns später bei weiteren Herausforderungen helfen – so können sie die Gelegenheit schaffen, die folgenden Fähigkeiten anzuwenden und zu üben:
Anpassungsfähigkeit.
Du lernst, eine bisher bewährte Vorgehens- oder Verhaltensweise von dir zu hinterfragen und bei Bedarf zu verändern. Das bedeutet für dich zu unterscheiden: „Was muss sich ändern? Und welche Verhaltensweisen möchte ich ganz bewusst beibehalten?!“
Perspektivenwechsel.
Du prüfst deine erste Interpretation der Veränderungen (Wie kommst du damit zurecht? Warum fühlst du dich (un)wohl damit?) und beziehst dann andere Sichtweisen mit ein (Vielleicht erleben Kollegen dieselben veränderten Abläufe in eurem Team eher als Entlastung, während du darin zunächst einen zusätzlichen Aufwand siehst). Unterschiedliche Erfahrungen mit Veränderungen können sichtbar machen, was uns evtl. noch zu einer Lösung im Umgang mit ungewohnten Veränderungen fehlt.
Problemlösungskompetenz.
Wenn deine gewohnten Lösungswege nicht mehr funktionieren, um mit Veränderungen in deinem Leben umzugehen, brauchst du echte Alternativen. Kleine Schritte in Richtung neuer Verhaltensänderungen, die beim Lösen von Problemen helfen, lassen dich ganz schnell herauszufinden, was unter neuen und veränderten Bedingungen funktioniert.
Wie du durch einen Perspektivwechsel leichter mit Veränderungen umgehst.
1. Nimm immer deine erste Reaktion ernst.
Was genau verunsichert dich angesichts der veränderten Bedingungen (der zusätzliche Aufwand, ein möglicher Verlust von Einfluss und Kontrolle oder unklare Erwartungen)? Benenne deine konkreten Sorgen, denn ein „Ich weiß noch nicht, wie ich die neue Aufgabe konkret bewältigen soll“ lässt sich eher angehen als ein „Alles wird so superschwierig“.
2. Trenne (d)eine Situation von einer reinen Vorhersage.
Unterscheide deutlich: Was steht bereits fest – und was vermutest du nur? Dass dein Aufgabenbereich sich verändert, kann bspw. eine Tatsache sein. Aber dass du damit überfordert sein wirst, ist zunächst nur (d)eine Erwartung. Überlege dir ganz genau, welche Informationen dir für eine wirklich realistische Einschätzung fehlen.
3. Stelle Fragen nach deinem Einfluss.
Prüfe, was du selbst mitverändern kannst, worauf du allein oder gemeinsam mit anderen Einfluss hast und was derzeit während Transformationsprozessen komplett außerhalb deiner Möglichkeiten liegt. Vielleicht kannst du den Großteil an Neuerungen nicht verhindern, dafür aber irgendeine Art von Einfluss darauf nehmen.
4. Probiere kleine Schritte und ziehe dann Bilanz.
Schritt für Schritt ans Ziel: Was kann ich diese Woche schon mal ausprobieren? Wähle am besten zuerst etwas, dessen Folgen möglichst überschaubar für dich sind. Prüfe anschließend, was dabei funktioniert hat, was ggf. optimiert werden muss und wo dir evtl. Unterstützung gefehlt hat. Du musst nicht den gesamten Veränderungsprozess auf einmal bewältigen, Schritt für Schritt reicht auch.

FAZIT. Mein Impuls für dich.
Ein Perspektivenwechsel erleichtert dir den Umgang mit Veränderungsprozessen, weil er deinen Blick für deine neuen Handlungsmöglichkeiten öffnet. Du erkennst dann nicht nur, was dir ungewohnt oder schwierig erscheint, sondern auch, was du dabei ausprobieren, lernen und beeinflussen kannst.
Frage dich bei allem, was neu und „anders“ ist: „Was fordert mich gerade echt heraus? Was kann ich beeinflussen – und wo bin ich machtlos? Und was würde mir helfen, damit besser umzugehen?“
Kurz, knapp & klar: Veränderungen fallen dir leichter, wenn du erkennst, was du mitgestalten kannst – und dass du dem Wandel ggü. nicht automatisch „ausgeliefert“ bist.
