Wie du mit Abstand und Eigeninitiative beruflichen Wandel selbst bestimmen kannst.
Ein exzellenter Ansatz: Nach einer Sommer-Auszeit nicht einfach weitermachen wie zuvor.
Nach den Sommerferien (und der damit verbundenen Auszeit) passiert in unserem Arbeitsleben immer wieder dasselbe: Unser Kalender und Postfach ist (proppen)voll, neue Projekte sind plötzlich da und alte Projekte sind wieder da. Und superschnell ist auch der alte Alltag zurück.
Dabei ist der Abstand vom Job so mega-wertvoll für uns. Denn oft merken wir erst außerhalb der üblichen Routinen, was uns vorher genervt, erschöpft oder schlichtweg nicht mehr zu uns gepasst hat. In der Urlaubszeit haben wir vielleicht weniger reflexhaft auf Nachrichten reagiert, uns mehr Zeit zum Nachdenken (statt für Nachrichten) genommen oder auch gemerkt, wie gut es tut, mal nicht permanent verfügbar zu sein.
Psychologisch betrachtet stecken dahinter Selbstreflexion und Selbststeuerung, Priorisierung und ein vernünftiger Umgang mit den eigenen Ressourcen. Also alles Fähigkeiten, die auch im Berufsleben durchaus nützlich sind.
Die Frage beim Wiedereinstieg nach der sommerlichen Auszeit mit Abstand lautet deshalb nicht nur: „Was steht im Job jetzt an?“ – sondern eben auch „Was möchte ich in meinem Job zukünftig anders machen?!“
Warum beruflicher Wandel nicht erst mit dem ganz großen Change beginnt.
Veränderung im Arbeitsleben ist oft Kopfkino – mit Reorganisation und Umstrukturierung, neuen Organigrammen und Positionen oder auch mit einem Jobwechsel. Kann alles sein, muss aber nicht.
Wandel im Arbeitsleben beginnt häufig viel kleiner: bei der Art, wie wir unseren Arbeitstag gestalten und steuern, Entscheidungen treffen und Grenzen setzen, Aufgaben priorisieren und mit neuen Anforderungen umgehen.
Dabei hilft uns das Bewusstsein unserer eigenen Selbstwirksamkeit: Nicht darauf zu warten, dass sich irgendwann die Rahmenbedingungen irgendwann mal verbessern, sondern selbst genau dort Einfluss zu nehmen, wo uns Einfluss möglich ist.
Wenn bspw. manche Strukturen tatsächlich schlecht für uns sind oder manche Aufgaben nicht mehr zu uns passen, ist manchmal eine berufliche Veränderung nötig (oder längst überfällig). Und gerade dann hilft es, selbst Bewegung ´reinzubringen, statt darauf zu warten, dass andere die Veränderung für uns antreiben.
Wie du den Wiedereinstieg für Veränderung nutzt.
- Reagiere weniger, agiere (und entscheide) mehr.
Nicht jede eMail ist dringend und nicht jede Priorität von anderen muss automatisch deine sein. Schaffe Zeiten, in denen du konzentriert arbeitest, statt deinen Tag überwiegend mit reinem Reagieren zu verbringen.
- Behalte Gewohnheiten bei, die dir außerhalb des Jobs gutgetan haben.
Mehr Bewegung (zw. Meetings), echte Mittagspausen (statt das Brötchen am PC), weniger digitale Dauerbeschallung (á la Digital Detox light) oder Lust aufs Neue und aufs Ausprobieren (statt ständig dasselbe zu machen). Frage dich, warum das in deinem Job unmöglich sein sollte.
- Prüfe Gewohnheiten, die nicht bleiben sollen.
Welche Arbeitsroutinen kosten dich (zu)viel Energie, bringen dir aber wenig? Welche Termine sind „eigentlich“ überflüssig? Welche Aufgaben machst du nur, weil du sie schon immer gemacht hast? Merke: Auch Weglassen ist Veränderung!
- Verändere etwas aus Eigeninitiative …
… bevor du dazu gezwungen wirst. Welche Entwicklungen werden deinen Job ohnehin beeinflussen (z. B. neue Technologien oder Strukturen)? Überlege, was du dafür bereits heute lernen oder auch anstoßen kannst. Denn kleine selbstgewählte Veränderungen trainieren deinen Umgang mit größeren.
- Mach mehr von dem, was beruflich funktioniert.
Frage dich: Welche Aufgaben liegen dir? Wo erlebst du deine Kompetenzen? Welche Projekte interessieren dich? Mit welchen Menschen arbeitest du gut (und gerne)? Deine berufliche Entwicklung darf darin bestehen, deine Stärken konsequent(er) zu nutzen.
- Setze bis zum Jahresende (nur) drei Prioritäten.
Denn Prios funktionieren nur, wenn andere Dinge ausdrücklich weniger wichtig sein dürfen.
FAZIT. Mein Impuls für dich.
Nach Auszeit und mit Abstand musst du beruflich nicht exakt dort weitermachen, wo du aufgehört hast. Nutze den Abstand von Alltag und Arbeit für die drei Fragen: Was möchte ich gerne beibehalten? Was möchte ich verändern? Und womit möchte ich echt aufhören?
Beginne am besten dort, wo du selbst Einfluss hast: Ändere eine Gewohnheit, setze eine Grenze, probiere etwas Neues im Arbeitsalltag aus, führe ein überfälliges (Gehalts-)Gespräch oder lerne etwas, das du zukünftig in deinem Job brauchen wirst.
Selbstwirksamkeit im Arbeitsleben bedeutet, deinen eigenen beruflichen Handlungsspielraum zu erkennen – und ihn zu nutzen.
Kurz, knapp & klar: Geh nach einer Auszeit nicht einfach zurück in den alten Arbeitsmodus. Behalte, was dir gutgetan hat, ändere, was nicht mehr funktioniert, und stoße (kleine bis große) Veränderungen an (bevor andere es für dich tun).

