„Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ genau DAS sind wir recht häufig, wenn es um unsere Gesundheit geht. Als Dr. Jekyll wollen wir nur das Gute und Beste für uns und unsere Gesundheit – so nehmen wir uns (immer wieder) vor „gesünder zu leben“. Nur wollen wir es uns gleichzeitig als Mr. Hyde in unserer kuscheligen Komfortzone so richtig gemütlich machen – und präsentieren uns als Meister im Erfinden von Ausreden („Heute ausnahmsweise mal Fast Food, habe zu wenig Zeit fürs Kochen.“). Und so setzen wir oft nicht allzu viel von unseren gutgemeinten „gesünder & fitter“-Plänen um.
Beim Planen und bei guten Vorsätzen sind wir zwar meistens erstaunlich konsequent: mehr bewegen, besser essen, regelmäßig „etwas für uns tun“ – doch dann passiert viel zu oft (fast) nichts. Warum? Weil wir Ausreden erfinden und sie dann auch noch zulassen: Unser vor guten Vorsätzen strotzender Fitnessplan ist nicht wirklich „rund“, er erscheint uns noch nicht perfekt genug, … u.s.w. Also fangen wir erst gar nicht an mit unserem Sportprogramm. Lieber feilen wir endlos daran herum, statt mit unserem „gesünder & fitter“-Plan einfach mal anzufangen.
Perfektionismus bremst uns aus.
Das Problem dabei sind nicht unsere (zu) hohen Ansprüche – sondern, dass wir erst loslegen, wenn alle Kriterien zum Loslegen ausnahmslos erfüllt sind. Das Problem ist also allein unser Perfektionsanspruch, beim Sport z.B. starten wir unsere Vorhaben oft erst, wenn von 10 Anspruchskriterien genau diese 10 unbedingt erfüllt sind („Habe ich heute überhaupt Lust auf Sport, die richtige Ausrüstung, einen oder mehrere Sportpartner, genügend Zeit, …? Ist das Wetter ideal, die Trainingshalle gut erreichbar, fangen die Kurse zu passenden Zeiten an, …?!“). Statt einfach mal anzufangen, obwohl wir vielleicht „nur“ hinter 6 Kriterien einen Haken machen können.
So wird aus unseren Ansprüchen eine Hürde – und unser Perfektionismus wird zur Bremse. Dabei kann uns ein gesundes Maß an Perfektion ganz weit nach vorne bringen.

Das PROBLEM: Wir stellen Perfektionismus VERSUS Pragmatismus. Nicht so gut.
Unsere übliche Einteilung ist recht simpel: Entweder sind wir megagenau, superstrukturiert und überanspruchsvoll – oder aber locker(er), schnell(er) und ergebnisorientiert(er). Wir sind meistens (leider !) entweder 100% perfektionistisch oder aber 100% pragmatisch.
Nur hat dieses „entweder-oder“ so seine Tücken:
- Zu viel Perfektionismus heißt „Du planst und optimierst – und wartest (endlos) ab.“
- Zu viel Pragmatismus bedeutet: „Du machst einfach mal – aber evtl. ohne Ziel oder Sinn.“
Die LÖSUNG: Wir nutzen Perfektionismus UND Pragmatismus. Viel besser.
Was wirklich hilft nennt sich „Pragmatischer Perfektionismus“ (kurz PP, auch bekannt als „Adaptiver Perfektionismus“) und liegt genau zw. Perfektionismus und Pragmatismus. Damit …
- startest du früher mit Projekten – auch wenn noch nicht alles „rund“ ist.
- bremst du dich selbst nicht mehr durch zu hohe (Perfektions-)Ansprüche aus.
- optimierst du deine Pläne „unterwegs“ – statt von Beginn an alles zu optimieren.
- machst den Startpunkt deiner Projekte nicht mehr von unbedingt perfekten Voraussetzungen oder Rahmenbedingungen abhängig.
- hörst du auf, dich mit Perfektionierung und Selbstoptimierung aufzuhalten – und fängst an, Dinge einfach auszuprobieren.
Das HAPPY END: Pragmatischer Perfektionismus UND deine Gesundheit. Richtig gut!
Gerade beim Thema Fitness und Gesundheit ist die „Wenn, dann aber richtig“-Falle äußerst beliebt: Ein motiviertes „Wenn ich mit Radfahren starte, dann konsequent.“ führt zu einem demotivierenden und verzögernden „Dann brauche ich aber einen guten Trainingsplan.“, in Kombination mit „… und eigentlich auch mehr Zeit …“.
Du wartest dann weiter auf den mega-perfekten Moment – und auf genau den kannst du vermutlich lange warten. Also wird das nichts mit dem Radfahren, Halb-Marathon, Paddle Tennis, Paddle Board´en oder mit was auch immer.
Aber „good news“: Eine Portion Pragmatischer Perfektionismus hilft dir beim Umsetzen all deiner Gesundheitsvorhaben. Dabei startest du erst einmal „unperfekt“ (d.h. selbst wenn deine Ausrüstung noch nicht vollständig ist, dein Leben für FREIzeit etwas zu stressig erscheint oder du noch nicht die „richtigen“ Trainingspartner gefunden hast) – und gewinnst dann step-by-step an Erfahrung und dadurch auch an Sicherheit.
So merkst du, dass du auch ohne perfekte Rahmenbedingungen etwas für dich und deinen Körper verändern und verbessern kannst.
Das UMSETZEN: Pragmatischer Perfektionismus UND deine Gesundheit im ALLTAG.
So setzt du Pragmatischen Perfektionismus in deinem Fitness-Alltag um:
BEWEGEN. Real statt ideal.
- Statt illusorischer „Täglich 60 Min. Training“ (die du einfach nicht umgesetzt bekommst) besser „Jeden Tag 30 Min. irgendeine Art von Bewegung“ (d.h. laufen statt fahren, Treppe statt Aufzug, … und KEIN Salamibrötchen am PC sitzend als Lunch).
- Statt „Ich muss regelmäßig richtig Sport machen“, besser gleich heute mit einer kleinen Einheit (30 Min.) beginnen, morgen etwas mehr mit 45 Min. und übermorgen vielleicht dann doch mal nur 20 Min. (weil mehr einfach nicht drin ist).
So kommst du vom Resignieren ins „Passieren“, von bloßen Denken ins Machen.
ERNÄHREN. Funktional statt dogmatisch.
- Statt komplett deine Ernährung umzustellen, besser eine Mahlzeit am Tag bewusst zubereiten und zu dir nehmen (d.h. gut-gesunde Zutaten in einem guten Umfeld und mit genügend Zeit).
- Statt deinen Ernährungsplan auf Perfektion zu trimmen, besser im Rahmen deiner Möglichkeiten essen (ohne dich zu stressen, d.h. wenn du Süßes liebst, dir nicht von heute auf morgen jeglichen Zucker verbieten – aber eben ab sofort etwas weniger).
Du musst nicht alles gleichzeitig, jetzt und sofort optimieren – sei nicht illusorisch, sondern reell.
ERHOLEN. Kleines Aufatmen statt großes Aufstöhnen.
- Statt auf „richtige“ Pausen (45-60 Min.) ganz zu verzichten, besser jede noch so kleine Möglichkeit für Mini-Pausen nutzen (ganz egal, ob „nur“ 10 oder 15 Min.).
- Statt zwar geplanter, aber eher selten realisierbarer 24h-Wohlfühl-Wellness-Tage (an denen man es sich endlich mal wieder so richtig gut gehen lassen will), besser regelmäßig ein kurzer Spaziergang oder eine Massage in der Mittagspause.
Klingt vielleicht erstmal total unspektakulär, ist aber unbeschreiblich wirksam für deinen Alltag.
Das LOSLEGEN: Prinzipien für Pragmatischen Perfektionismus.
Wie du Pragmatischen Perfektionismus mit zwei Prinzipien für deinen (Fitness-)Alltag nutzt:
- Das „Gut genug“-Prinzip.
Starte sobald dein „gesünder & fitter“-Vorhaben gut genug vorbereitet ist – nicht jeder Plan musst perfekt sein, um an den Start zu gehen; meistens reichen uns 75%, um ins Machen zu kommen.
- Das „Zeit begrenzen“-Prinzip.
Setze dir ein klares Zeitfenster zur Vorbereitung deines Fitness-Plans – danach wird nicht weiter optimiert, sondern einfach angefangen und umgesetzt.
But „be aware“: Wenn du merkst, dass …
- du mehr planst, als du umsetzt,
- auf (noch) bessere Bedingungen wartest oder
- (zu) oft „So bringt das jetzt auch nichts“ denkst
… – denn dann geht´s zurück auf LOS – und du schaust dir Pragmatischen Perfektionismus nochmal gaaanz in Ruhe an.
FAZIT. Mein Impuls für deine Gesundheit.
„Unbedingt perfekt sein wollen und dann erst starten“ ist keine gute Idee, „Unbedingt starten wollen, ohne irgendeinen Plan“ aber auch nicht. Pragmatischer Perfektionismus heißt: Deine Ansprüche geben dir eine zwar grundsätzliche, aber gleichzeitig flexible Richtung vor, während dich dein Pragmatismus ins Machen bringt.
Kurz, knapp & klar: Gerade bei unserer Gesundheit zählt nicht immer der 100%ig perfekte Ansatz – sondern einer, den wir auch tatsächlich umsetzen.
Quelle/Bilder: Canva / ChatGPT / CoPilot

