Im Berufsalltag lassen sich viele Menschen in zwei Gruppen einteilen: Die einen planen, analysieren und optimieren so lange, bis kaum noch Zeit fürs eigentliche Umsetzen bleibt. Die anderen legen einfach los – nur viel schnell und pragmatisch.
Beides hat zwar seine Vorteile. Beides kann aber auch echt problematisch werden: Denn zu viel Perfektionismus führt oft dazu, dass wir uns unsere Entscheidungen unnötig schwer machen. Während zu viel Pragmatismus zwar für Tempo sorgt, aber nicht automatisch auch für gute Entscheidungen oder Ergebnisse.
Die Lösung liegt nicht in den Extremen, sondern dazwischen: Pragmatischer Perfektionismus.
Was „Pragmatischer Perfektionismus“ bedeutet.
Wenn wir Qualität mit Fehlerfreiheit und Perfektion verwechseln, verlieren wir an Tempo und Flexibilität. Pragmatischer Perfektionismus bedeutet daher nicht, dass wir auf Qualität verzichten oder keine Ansprüche mehr haben. Und auch nicht Dinge nur noch halbherzig zu erledigen.
Gemeint ist etwas komplett anderes: Mit einem hohen Anspruch zu arbeiten, nur ohne sich durch perfektionistische Standards auszubremsen. Wir arbeiten weiterhin sorgfältig, bereiten uns vor und durchdenken Dinge – warten aber nicht darauf, dass alles perfekt sein muss, bevor wir handeln.
Warum „Pragmatischer Perfektionismus“ psychologisch supersinnvoll ist.
Einerseits kann Perfektionismus uns Orientierung geben und dabei helfen, Verantwortung ernst zu nehmen und anspruchsvolle Standards zu entwickeln. Andererseits wird es problematisch, wenn aus unseren zu hohen Ansprüchen Vermeidungsverhalten resultiert.
Denn viele Menschen schieben Entscheidungen oder Projekte vor sich her, weil sie glauben, noch nicht „weit genug“ zu sein. Noch nicht fertig, noch nicht perfekt. Das wirkt nach außen zwar oft kontrolliert. Psychologisch gesehen steckt dahinter aber nicht selten schlichtweg eine gehörige Portion Unsicherheit.
Pragmatismus kann hier ein wichtiges Gegengewicht sein. Nicht im Sinne von Anspruchslosigkeit und Nachlässigkeit, sondern im Sinne davon entscheidungs- und handlungsfähig zu bleiben. Das Wahrnehmen unserer eigenen Selbstwirksamkeit entsteht nicht dadurch, dass alles perfekt läuft. Sondern wenn wir erleben, auch unter nicht-perfekten und unvollkommenen Bedingungen pragmatisch handeln und wirken zu können.
„Pragmatischer Perfektionismus“ im Berufsalltag.
- Projekte beginnen – statt nur zu planen.
Erfahrungsgemäß muss nicht jedes Detail geklärt sein, bevor wir ein Projekt starten. Oft ist es einfach sinnvoller, mit einer pragmatischen ersten Version zu beginnen und unsere Erfahrungen in den weiteren Prozess einzubauen.
- Entscheidungen treffen – statt verschieben.
Im Berufsalltag gibt es selten sowas wie die „100%ige und vollständige Sicherheit“. Wer also permanent absolute Perfektion bei Entscheidungen erwartet, verliert oft wertvolle Zeit. Pragmatischer Perfektionismus bedeutet deshalb eine Entscheidung fundiert vorzubereiten und sie dann aber auch zu treffen.
- Prioritäten setzen – statt alles als gleich wichtig zu betrachten.
Nicht jede Aufgabe braucht dieselbe Aufmerksamkeit. Viele Menschen investieren enorm viel Zeit und Energie in Details, die kaum eine Wirkung haben. Viel sinnvoller ist es, uns nur dort 100%ig zu engagieren und uns ´reinzuhängen, wo es wirklich ´drauf ankommt – und an anderer Stelle bewusst etwas entspannter und pragmatischer vorzugehen.
Die drei Dinge, die dir im Alltag helfen.
1. Dein „Gut genug“ für dich definieren.
Nicht alles muss immer perfekt sein. Denn: Perfektion ist kein sinnvoller Maßstab für deinen Alltag. Hilfreicher ist die Frage „Wann ist mein Ergebnis gut genug, dass es nutzbar und nützlich ist?!“. Dieser Punkt sollte dein Maßstab sein – und nicht (d)eine theoretische Idealversion von Perfektion.
2. Mit Zwischenstandsmeldungen arbeiten.
Mache deine ersten Entwürfe und Versionen oder auch Zwischenergebnisse eines Projekts früh sichtbar, denn das hat Vorteile: Du bekommst früher Feedback, Fehler fallen dir schneller auf und deine Projekte geraten so weniger ins Stocken.
3. Deine (kostbare) Zeit begrenzen.
Wenn du dir bei Projekten immer wieder unbegrenzt Zeit zum Optimieren gibt, nutzt du diese meistens auch. Deshalb helfen klare Zeitfenster und Deadlines für jede Aufgabe und jeden Zwischenschritt, bspw. für Analyse, Überarbeitungen und Entscheidungen. Damit „irgendwann“ aus deinem Denken auch ein Handeln wird.
FAZIT. Mein Impuls für dich.
Pragmatischer Perfektionismus bedeutet, dass wir Qualitätsansprüche zwar weiterhin ernst nehmen, uns davon aber nicht lähmen lassen. Es geht nicht darum, weniger anspruchsvoll, dafür aber entscheidungs- und handlungsfähig zu sein.Kurz, knapp & klar: Nicht immer sind die Menschen am wirksamsten, die alles perfekt machen wollen – sondern diejenigen, die gute Entscheidungen treffen und Dinge tatsächlich auch umsetzen (obwohl nicht alles perfekt ist).

