Flow – ein Zustand, der uns nicht nur beim Computerspielen begegnet

Csíkszentmihályi und das Flow-Erleben: erklärt und auf das Computerspielen übertragen

Schon mal einen Computerspieler in einem Flow-Zustand gesehen? Vielleicht in einem Fernsehbeitrag. Sämtliche Aufmerksamkeit ist auf das Spiel fokussiert; man könnte meinen, der Spieler verschmilzt mit dem Bildschirm. In gewissen Kreisen wird im Internet darüber gewitzelt, wie am Titelbild zu erkennen ist. Der junge Mann scheint die attraktiven Frauen um ihn herum überhaupt nicht wahrzunehmen.

Was hier auf die Schippe genommen wird, wirkt für Außenstehende manchmal gruselig. Ein solches Absorbiertsein in einer virtuellen Realität, kann das gesund sein?

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Die Masken unseres Lebens

Am vergangenen Wochenende fand wieder die venezianische Messe in Ludwigsburg statt. Alle zwei Jahre verwandelt sich der Ludwigsburger Marktplatz in ein Meer aus prachtvollen Kostümen und kunstvollen Masken – der venezianische Karneval hält Einzug. Ein besonderes Spektakel, das einen immer wieder zu verzaubern weiß.

Was ist es, das uns da so verzaubert? Sicher hat es etwas damit zu tun, ein makelloses, schön anzusehendes und gleichzeitig geheimnisvolles Gegenüber vor uns zu haben. Die Schönheit mancher Kostüme und Masken blendet uns beinahe. Wow, so würden wir auch gerne mal aussehen, so wären wir auch gerne mal.
Und dem Maskenträger macht es ja durchaus auch Spaß – fotografiert werden, mit anderen Masken oder Touristen und Fotografen spielen, mal jemand ganz Anderer sein… alles tolle Dinge.

Aber soll ich etwas verraten?

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Erklärungsmodell vom Müll bis zur Sucht – die Ausblendungstabelle der Transaktionsanalyse

Gestern startete die Aktion „The Ocean Cleanup“ – das Ziel ist es, mit einer gigantischen „Schwimmnudel“ den Plastikmüll aus den Ozeanen zu fischen.

Das Thema „Plastikmüll“ ist ja wahrhaftig nichts Neues, dennoch hat es einen langen Weg zurücklegen müssen, bis es im Bewusstsein der Menschen wirklich angekommen ist. Warum ist das so? Inzwischen scheint es unvorstellbar, dass die Tatsache, dass Müllteppiche von der 3-fachen Größe Frankreichs (!) im Ozean treiben, jahrelang keine Beachtung fand.

Wie können wir das psychologisch verstehen?

Eine Hilfestellung könnte uns die Ausblendungstabelle aus der Transaktionsanalyse leisten. Entwickelt vom Ehepaar Schiff (1971) und ergänzt von Leonhard Schlegel bietet sie für verschiedenste Situationen, von der Alkoholabhängigkeit bis hin zu unserem Müllproblem, einen interessanten Ansatz. Unter psychoanalytischen Gesichtspunkten kann man sie auch als eine Aufdröselung des Abwehr-Phänomens betrachten – also auch für den psychotherapeutischen Kontext ein wunderbares Modell.

 

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Susi ohne Mama – Generation „Handy“

Vor einiger Zeit habe ich Susi kennengelernt. Eine reizende junge Dame mit blonden Löckchen und einem strahlenden Lächeln. Etwa anderthalb. Susi steht an der Bushaltestelle. Natürlich nicht alleine, denn in dem Alter kommt man in seinem Kinderwagen allein nicht so gut vorwärts. Susis Mama ist auch da. Irgendwie. Eher körperlich anwesend als geistig, denn das Handy und der Chat mit der Freundin scheinen wichtiger.

So sitzt Susi also in ihrem Kinderwagen und strahlt ihre Mama an. Ihre Augen kleben förmlich an ihr. Und Mamas Augen? Die kleben am Handy.

Langsam verschwindet das Strahlen aus Susis Augen, die Stirn legt sich in Falten und sie beginnt zu quengeln. Mama seufzt genervt und schiebt den Kinderwagen ein wenig vor und zurück, ohne aufzusehen. Susi sieht enttäuscht aus.

Also noch ein bisschen mehr quengeln, irgendwann MUSS Mami ja mal zu mir schauen!

Susis Strategie geht leider nicht auf.

Ich stehe etwas verloren daneben und beobachte die Szene. Soll ich etwas sagen?

„Entschuldigung, merken Sie eigentlich, dass Ihr Kind gerne Kontakt mit Ihnen hätte?“

„Vielleicht sollten Sie Ihrer Kleinen ein Handy geben – dann kann Sie Ihnen ja eine WhatsApp schicken. Vielleicht geht das besser.“

„Ah, wenn Sie das immer so machen, legen Sie schonmal den Grundstein für eine Psychotherapie-Karriere Ihrer Tochter.“

Nein, natürlich diplomatischer… aber wie?!

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Boreout – wenn die Arbeit unerträglich langweilig wird

Boreout – als ich dieses Wort kürzlich im Freundeskreis erwähnte, sahen mich ganz viele Augenpaare fragend an. Was ist denn das schon wieder?!

Das Gegenstück zum Boreout-Syndrom, das sogenannte Burnout-Syndrom, ist besser bekannt. Zwar keine diagnostische Kategorie laut ICD-10 oder DSM-IV/V, aber doch weiß jeder so ungefähr, was das ist. Arbeitsunfähigkeit durch Überlastung, welche meist Ursachen in mangelnder Anerkennung, (zu) hohen Ansprüchen an sich selbst und nicht ausreichendem Selbstschutz hat. Das voll ausgeprägte Bild eines Burnout-Syndroms kann sich unter anderem in starker körperlicher und emotionaler Erschöpfung, Gefühl der Sinnentleerung, Zynismus und Gleichgültigkeit zeigen. Es folgen lange Krankschreibungen und oft ein steiniger Weg der Gesundung. Auch für den Arbeitgeber ist dies mit großen Kosten verbunden.

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C.G. Jung und Elias Canetti: „Alles, was man vergessen hat, schreit im Traum um Hilfe“

Heute ein kleiner Theorie-Exkurs zu einem Geniestreich von Carl-Gustav Jung:

Währen Freud mit seinem Werk „Die Traumdeutung“ die Grundlage der Psychoanalyse und der Traumdeutung schuf und große Bekanntheit erlangte, wurden Jungs Traumtheorien leider zumindest außerhalb des Dunstkreises der analytischen Psychologie weniger rezipiert. Dabei können wir sowohl als Laien als auch als Profis sehr vom Konzept der subjektstufigen Deutung profitieren: Jung stellte nämlich die Hypothese auf, dass uns im Traum auch ungelebte Anteile von uns selbst begegnen.

Dazu ein Beispiel:

Stellen wir uns mal einen tüchtigen Geschäftsmann vor, der mit depressiven Verstimmungen zu kämpfen hat. Irgendwo im Vorstand eines großen Konzerns tätig, Anzug, geputzte Schuhe, perfekt frisiert und rasiert, die Krawatte sitzt. Dieser Mann hat einen Traum.

Er ist mitten in einer wichtigen Geschäftssitzung, umgeben von Kollegen in einem Luxusbüro. Der Kaffee auf dem Tisch, die Häppchen dekorativ auf einem kleinen Buffet platziert, der Beamer wirft die aktuellen Geschäftszahlen an die Wand. Plötzlich taucht ein anderer Mann auf, in legerem, fast schon heruntergekommenem Look, mit derbem Humor, der die Sitzung unterbricht und sich Raum verschafft.

Würden wir uns mit diesem Geschäftsmann unterhalten, würde er vielleicht erzählen, dass er sein professionelles Dasein eigentlich sehr genießt. Gleichzeitig würde aber vielleicht deutlich, dass der enge Arbeitsalltag mit den 10-Stunden-Tagen ihm keine Möglichkeit gibt, auch mal ganz ausgelassen zu sein, herumzublödeln, einfach mal in den Tag hinein zu leben und in Schlabberkleidung durch die Gegend zu laufen.
Der Traum zeigt, dass diese Seite irgendwo auch noch in ihm lebt – tot ist sie nicht, aber sie findet bisher nur im Traum eine Ausdrucksmöglichkeit. Es ist sehr wahrscheinlich, dass seine depressiven Stimmungen nachlassen und vielleicht sogar verschwinden würden, wenn er es schaffen könnte, diesem „Schlabber-Mann“ einen Platz in seinem Leben einzuräumen und nicht seine Energie dafür aufwenden müsste, diesen Anteil im Verborgenen zu halten.

Elias Canetti soll einmal gesagt haben: „Alles, was man vergessen hat, schreit im Traum um Hilfe.“

Vielleicht ist dieser Traum also auch als Hilfeschrei zu deuten?

In der jungianischen Psychologie spricht man in diesem Fall von einer kompensatorischen bzw. homöostatischen Funktion des Traums, denn er schafft einen Ausgleich zwischen bewussten und unbewussten Anteilen der Psyche.

Ich finde, dieser Traum lädt dazu ein, auch mal eine andere Seite an sich kennenzulernen und auszuprobieren. Das kann sehr bereichernd sein. Und es bedeutet ja nicht, künftig nur noch das Schlabberleben leben zu sollen. Aber scheinbar meldete sich dieser Anteil, um auf eine andere Seite des Lebens und der eigenen Persönlichkeit aufmerksam zu machen, die bisher nur ein Schattendasein führen durfte.

[Link] – Der Egoshooter „Far Cry 5“ als Aufklärer über Sekten

Das ZDF hat vor etwas mehr als zwei Monaten einen interessanten Beitrag zu „Far Cry 5“, einem Egoshooter, veröffentlicht.
In einem etwa zweiminütigen Video wird – auch mit kleinen Interviews der Entwickler – die Idee des Spiels gezeigt. Es soll einen Einblick in die Gefährlichkeit von Sekten geben. Auch die damit verbundenen Themen wie Patriotismus, Fanatismus, Waffenbesitz und aktuelle politische Entwicklungen werden aufgegriffen.

Ich habe das Spiel selbst nicht gespielt, es scheint mir aber ein gutes Beispiel dafür zu sein, dass es auch in Egoshootern, die von Vielen meist sofort in die Ecke „Hauptsache, es wird blutig getötet“ gesteckt werden, um weit mehr gehen kann.

Hier also der Link – das kleine Video anzusehen lohnt sich auf jeden Fall und auch der Text ist die zwei Minuten, die man zum Lesen braucht, Wert. 🙂