Die Masken unseres Lebens

Am vergangenen Wochenende fand wieder die venezianische Messe in Ludwigsburg statt. Alle zwei Jahre verwandelt sich der Ludwigsburger Marktplatz in ein Meer aus prachtvollen Kostümen und kunstvollen Masken – der venezianische Karneval hält Einzug. Ein besonderes Spektakel, das einen immer wieder zu verzaubern weiß.

Was ist es, das uns da so verzaubert? Sicher hat es etwas damit zu tun, ein makelloses, schön anzusehendes und gleichzeitig geheimnisvolles Gegenüber vor uns zu haben. Die Schönheit mancher Kostüme und Masken blendet uns beinahe. Wow, so würden wir auch gerne mal aussehen, so wären wir auch gerne mal.
Und dem Maskenträger macht es ja durchaus auch Spaß – fotografiert werden, mit anderen Masken oder Touristen und Fotografen spielen, mal jemand ganz Anderer sein… alles tolle Dinge.

Aber soll ich etwas verraten?

Es ist unendlich anstrengend. Da ich durch eine Vereinsmitgliedschaft auf der Messe selbst involviert bin und verschiedene solcher Kostüme besitze, spreche ich hier aus Erfahrung.
Die Sonne brennt vom Himmel, man schwitzt wie in der Sauna („ich habe nen kleinen Brunnen auf dem Rücken!“, um eine Kollegin zu zitieren), unter der Maske bekommt man kaum Luft, der Schweiß tropft in die Augen, es wird einem schwindelig, alles klebt und die Sonne blendet so sehr, dass die Augen brennen. Ganz zu schweigen von den Rückenschmerzen vom langen Stehen.
DAS gehört auch dazu – sieht allerdings keiner.

Ich habe mir das dieses Jahr nicht angetan – ein historisches Kostüm mit Halbmaske tut es auch.
Aber wie oft tut es uns das im Alltag nicht? Wie oft setzen wir im Leben eine Maske auf, um jemandem zu imponieren, eine Schwäche nicht Preis zu geben oder Ansehen zu gewinnen? Und welchen Preis sind wir bereit, dafür zu bezahlen?

Oft betreiben wir in diesem Streben Raubbau an unserer eigenen (seelischen und körperlichen) Gesundheit, überschreiten unsere eigenen Grenzen. Betreiben wir dieses Spiel sehr lange, verlieren wir das Gefühl dafür, was die Maske ist und was wir selbst sind. Uns fällt dann gar nicht mehr auf, dass wir nur noch mit Masken vor dem Gesicht mit anderen Menschen in Kontakt treten.

Das eigene Selbst in all den Masken wieder zu finden, ist oft ein langer, manchmal auch schmerzhafter, Prozess – allerdings auch ein sehr wertvoller.

Vielleicht können uns die Bilder von bunten Masken immer mal wieder daran erinnern und dazu herausfordern, mal über den eigenen Schatten zu springen und in der ein oder anderen Situation die Maske abzulegen…

 

Bildquelle: Pixabay

Autor: Jeca (Psychologik)

Willkommen auf meinem Psychologik-Blog: http://psychologik.blog Ich bin Psychologin in Tübingen und arbeite dort in eigener Praxis.

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