Boreout – wenn die Arbeit unerträglich langweilig wird

Boreout – als ich dieses Wort kürzlich im Freundeskreis erwähnte, sahen mich ganz viele Augenpaare fragend an. Was ist denn das schon wieder?!

Das Gegenstück zum Boreout-Syndrom, das sogenannte Burnout-Syndrom, ist besser bekannt. Zwar keine diagnostische Kategorie laut ICD-10 oder DSM-IV/V, aber doch weiß jeder so ungefähr, was das ist. Arbeitsunfähigkeit durch Überlastung, welche meist Ursachen in mangelnder Anerkennung, (zu) hohen Ansprüchen an sich selbst und nicht ausreichendem Selbstschutz hat. Das voll ausgeprägte Bild eines Burnout-Syndroms kann sich unter anderem in starker körperlicher und emotionaler Erschöpfung, Gefühl der Sinnentleerung, Zynismus und Gleichgültigkeit zeigen. Es folgen lange Krankschreibungen und oft ein steiniger Weg der Gesundung. Auch für den Arbeitgeber ist dies mit großen Kosten verbunden.

Die wenigsten wissen, dass ein Boreout mit mindestens ebenso großem Schaden einhergehen kann. Boreout, von „boring“ – langweilig, beschreibt ein Syndrom, welches ebenfalls durch eine mangelnde Passung von Arbeitnehmer und Aufgabe zustande kommt. In diesem Fall ist die Grundlage meist eine unterfordernde Tätigkeit, welche also nicht anspruchsvoll genug für die geistigen Fähigkeiten des Arbeitnehmers ist. Die Person steht hierbei vor einem Dilemma: Dem Vorgesetzten zu signalisieren, dass die Aufgabe nicht fordernd genug ist, könnte als Arroganz aufgefasst werden (so häufig die Sorge), zudem sind „Streber“ von den Kollegen meist nicht gern gesehen. Und wer weiß, vielleicht wird die Stelle dann bei nächster Gelegenheit reduziert.
Am Arbeitsplatz sitzen und nichts tun ist für diese Menschen aufgrund ihres hohen Verantwortungsgefühls allerdings auch keine Option. So wird dann häufig versucht, möglichst beschäftigt zu wirken: Die Arbeit wird künstlich in die Länge gezogen, heimlich werden private Aufgaben erledigt, vielleicht stapelt man sich noch etwas Papier am Arbeitsplatz – Hauptsache, nicht auffallen. Diese Strategie, die Wahrung des Scheins, kostet allerdings sehr viel Kraft – zusätzlich zur Belastung, die durch die Unterforderung kommt. Symptome wie Schlaflosigkeit, Niedergeschlagenheit, Magenbeschwerden und mehr kommen hinzu. Oft kündigt der Arbeitnehmer innerlich, bleibt aber dennoch – aus Angst vor Arbeitslosigkeit, finanziellen Einbußen etc. – am Arbeitsplatz.

Das quälende Gefühl, in einer Aufgabe gefangen zu sein, die den eigenen Fähigkeiten nicht entspricht in Kombination mit dem Wunsch, etwas Befriedigendes zu leisten und der Hoffnungslosigkeit, an der Situation etwas verändern zu können, entwickeln sich zu einem Teufelskreislauf.

Oft kann eine psychologische Begleitung (Coaching oder Therapie) dem Betroffenen helfen, Auswege aus der vermeintlich hoffnungslosen Situation zu finden. Dies kann darin bestehen, die Person dazu zu ermutigen, sich auf eine besser passende Stelle innerhalb des Betriebs zu bewerben oder – wenn sich hier keine Optionen ergeben – zur Wahrung der eigenen Gesundheit zu kündigen. Bis zu einem gewissen Grad können natürlich auch Strategien erarbeitet werden, die das Verbleiben am Arbeitsplatz erleichtern, dennoch stellt dies meist keine dauerhafte Lösung dar.

Zu einer ganz besonders großen Belastung kann hier die Regelschule für hochbegabte Kinder und Jugendliche werde. Dazu wird demnächst ein eigener Beitrag erscheinen. 🙂

Bildnachweis: Pixabay

Autor: Jeca (Psychologik)

Willkommen auf meinem Psychologik-Blog: http://psychologik.blog Ich bin Psychologin in Tübingen und arbeite dort in eigener Praxis.

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